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Ich muss gestehen: Ich bin kein geborener Karnevalist. Mich zu verkleiden, fällt mir schwer, und Raketen und das „Tatä –tatä – tatä“ an den Stellen, an denen ich lachen soll, kann ich nur schwer ertragen. So ging ich durchaus mit einem gewissen Zögern am Samstagabend in den Jacobussaal, eher von der Verbundenheit mit den anderen Feiernden und dem Vorbereitungsteam getragen, besonders von dem Wunsch, der Gemeinde zu berichten und das bunte Treiben in Bilden festzuhalten.

Und nun, nach mehr als fünf Stunden Pfarrkarneval, bin ich begeistert, verzaubert gar: denn war es ein gelungener Abend, ein Abend, der Farbe, Fröhlichkeit und Phantasie versprühte, – und durchaus nicht meinen gängigen Klischees entsprach.

Es begann mit dem wunderbaren Eröffnungstanz von Maren Conrad: Vor mehr als 100 Erwachsenen traute sie sich auf die Bühne und zeigte, wie sie Arme und Beine, Kopf und Körper im Takt der Musik bewegen konnte. Angela Kaiser überreichte ihr – der Kinderprinzessin des Jahres 2010 – den ersten Orden des Abends.

Überhaupt Angela Kaiser. Das Vorbereitungsteam hatte eine Aufgabenteilung abgesprochen. Heike Langemeyer, Manuela Otten, Heike Versen hatten die Organisation in die Hand genommen (und die klappte so perfekt, dass man meinen konnte, es wäre gar nichts zu organisieren gewesen – und das ist das höchste Kompliment, das man einem, der im Hintergrund tätig ist machen kann!!!), Angela Kaiser die Moderation des Abends übernommen. Und das machte sie so souverän, dass man glauben konnte, sie hätte ihr ganzes Leben nichts anderes gemacht.

Den nächsten Programmpunkt bestritt die kfd St. Peter und Paul: Birgit Auer, Susanne Bille, Frau Langenberg und Ulrike Lenninghausen. Sie verhalfen uns zu einem Blick ins Jahr 2050. Die Pfarrei St. Peter und Paul war im Jahr 2020 aufgelöst worden und mit der Pfarrei „Nördlich des Kölner Doms“ fusioniert; ein Pfarrbüro in Ratingen gab es auch nicht mehr. An seine Stelle war ein Call-Center getreten. Bereits vor 35 Jahren hatte zwei Menschen standesamtlich geheiratet, aber noch keinen Priester für die kirchliche Hochzeit finden können. Wieder einmal machte die Ehefrau, die "Braut", einen Versuch. Sie rief die Hotline an. „Drücken Sie die 1, um Termine für die nächste Eucharistiefeier zu erfahren. Die 2 für ein anderes Sakrament. Die 3 für die Kirchenverwaltung.“ Sie drückte die zwei und nach einigen „Gelobt sei Jesus Christus“ landete sie bei der Service-Mitarbeiterin Frau „Ankecordulapetraheike Immerda“. Sie sagte ihr für eine Gebühr von 170,- € die Zusendung des Taufscheins zu und empfahl ihr dringend eine Beichte vor der Trauung (übrigens im September – da käme ein Pfarrer nach Hilden; in Ratingen ginge es erst im Dezember…). Und Beichten kann man dann auch telefonisch: „Für eine schwere Sünde, drücken Sie die 1, für eine lässliche die 2…“ Irgendwann aber legte die gute Frau auf…

„Starke Mädchen aus dem Oberdorf“, also aus Herz Jesu, ließen die Sorgen um die Zukunft der Kirche vergessen; sie tanzten in ihren weißen T-Shirts und weiß gepunkteten roten Röcken, mit ihren Tornistern auf dem Rücken, dass es eine Freude war: Jugend und Kirche müssen kein Gegensatz sein…

Dass „mollig herrlich, mollig schön“ ist, sagte Brigitte Kösterling nicht nur den Närrinen und Narren in Worten; sie zeigte es ihnen auch. Und dann gaben die Mädchen aus dem Oberdorf ihre zweite Vorstellung: jetzt in grünen T-Shirts mit glitzernden Lametta-Büscheln an den Stellen, die zwar zum Anbeißen reizen, aber für die meisten der Männer dann doch verbotene Früchte sind. Sicherheitshalber erinnerte DJ Gerd Dörner auch sofort daran: „Beiß nicht gleich in jeden Apfel!“

Und dann trat der Mann auf, den die ARD vor wenigen Tagen noch als den Heinz aus Düsseldorf bezeichnet hatte: aus Ratigen kam er, unser dicker Heinz aus Tiefenbroich. „Viva Ratingia“, sang er, „Stell dech vör, du könnest auf der Anger rudern“, „Zeig mir mal dein Däumchen“ und natürlich „Menschen mit Herz“. Was macht es aus, dass Heinz Hülshoff immer wieder sofort alle Menschen für sich gewinnt? Die Fotos in der Bildergalerie zeigen, wie begeistert und mit inneren Anteilnahme man ihm zuhört – aber vielleicht ist es gerade das: Er vermag die Herzen zu gewinnen, nimmt Anteil an dem, was seine Zuhörer bewegt, und beide – Sänger und Zuhörer – spüren, dass ihnen dieselben Dinge und Menschen wichtig sind, wie nah sie sich sind. - Besonders gefreut hat sich Heinz Hülshoff aber sicher über einen Kuchen: da er auf der kfd-Sitzung am Vortag so vom Kirschstreusel angetan war, hatte ihm Angela Kaiser am Vormittag einen gebacken und mitgebracht als keines Dankeschön dafür, dass er immer bereit ist, in Homberg aufzustreten. - Seine Website: www.heinz-huelshoff.de

Eine Tanzpause folgte – aber dann wartete eine großartige Überraschung auf die 100 Besucher des Jacobussaals: Lutz Kniep, Solotrompeter und wohnhaft in Homberg, verzauberte seine Zuhörer mit Wort und Musik, mit Klang und Licht. Denn das war das Besondere: Nach einigen Stücken, die er mitten aus dem Saal bei normaler Beleuchtung gespielt hatte, ging das große Licht aus, und Laserstrahlen setzten ihn und seine Trompete in ein wunderbar farbiges, zauberhaftes und geheimnisvolles Licht. Von Amsterdam spielte er, davon, dass der Dom in Kölle bleiben muss, dass Colonia leben soll… Langanhaltender Beifall – und ein Orden durfte auch nicht fehlen.

Die Prinzengarde Rot-Weiß aus Tiefenbroich sorge wieder für Bewegung tageshelle Farben, und davon, wie es einem älter gewordenen Tanzmariechen geht, berichtete Christel Hartstein. Brigitte Köstering trat als „Blumenmann“ auf – und dann kam Prinz Joachim I. – mit großen Gefolge, aber ohne seine Prinzessin Michaela I., die mit Fieber im Bett lag und sich schonen musste, um zumindest beim Rosenmontagszug dabei sein zu können (und das war sie dann auch!). Der Prinz ehrte die Homberger mit Orden – besonders schön: Leonie Ritter für ihren unermüdlichen Einsatz beim Karneval – , und die Homberger gaben Orden an den Prinzen und sein Gefolge.

Inzwischen war es Mitternacht geworden. Aber ein Programmpunkt stand noch aus: Getreu dem Motto des Abends wurde noch eine Abordnung aus der Unterwelt erwartet – und die kam in Gestalt von Brigitte Hardt, Heike Langemeyer, Manuela Otten, Kathrin Rathstein und Annette Versen. Sie tanzten zu „Spiel mir das Lied vom Tod“, zum „Kriminaltango“, zu Songs von Bert Brechts Dreigroschenoper. Sie wussten, wie es „nachts auf der Reeperbahn um halb eins“ zugeht und stellten den „Skandal im Sperrbezirk“ so wunderbar dar, dass keiner mehr an sich halten konnte vor Begeisterung. Ein Cancan zu Melodien von Jacques Offenbach beendete den Melodien- , Tanz- und Mimikreigen. Das Schönste vielleicht: Es waren ja keine Unbekannten, die vorn auf der Bühne schauspielten und tanzten (und wie gekonnt stiegen sie bei „Spiel mir das Lied vom Tod“ von ihrem [Stecken-]Pferd!), sondern Frauen, die man kannte, denen man Tag für Tag auf ganz anderer Ebene begegnete und die jetzt auf einmal ganz andere waren – und manchmal selber über sich lachen mussten…

Natürlich wurde auch getanzt und geschunkelt, wurden die besten Kostüme prämiert; selbstverständlich war DJ Dörner dabei und suchte geschickt die passende Musik aus. Und über Frikadellen, Würsten, Kartoffelsalat, Bier und Wein bedarf es keiner Worte. Wir waren ja in Homberg.

Zur Erinnerung: Der Bericht selber enthält nur wenige Bilder, und ausnahmsweise können die auch nicht durch Klicken vergrößert werden. Viele und große Bilder finden Sie dafür aber in der Bildergalerie zum Pfarrkarneval; klicken Sie hier!

Josef Pietron

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"Jacobus feiert, wie's gefällt, in der verruchten Unterwelt": Karneval 2012

Ein Hinweis vorweg: Der Bericht selber enthält nur wenige Bilder, und ausnahmsweise können die auch nicht durch Klicken vergrößert werden. Viele und große Bilder finden Sie dafür aber in der Bildergalerie zum Pfarrkarneval; klicken Sie hier: